Fortschritt setzt Tradition voraus
Morgan-Sportwagen kommen aus der ältesten, heute noch in Privatbesitz befindlichen Automobilfirma der Welt. Und das sieht man ihnen auch heute noch an. Alle Moggies (Enthusiaten-Kürzel) haben während ihrer über 90-jährigen Bauzeit ihr typisches Gesicht behalten. Die Entwicklungsschritte der einzelnen Modelle waren nie von Hektik geprägt.

Dieses war der erste Streich: Kein Motorrad mehr, aber noch kein Auto. So präsentierte Harry Morgan 1910 der Fachwelt sein zunächst einsitziges Dreirad. Kurz darauf wurde die Sitzbank für zwei Personen erweitert. Werbespruch: "Der Morgan für junge Paare".

Der erste "Stromlinien-Morgan". Der prominenteste Käufer im Kriegsjahr 1917 war Albert Ball, Flieger-Ass der Royal Air Force. Bevor er sich mit seinem Moggie in den Straßenverkehr stürzte, hatte er über 40 Abschüsse von deutschen Flugzeugen zu verzeichnen.

Im selben Jahr (1930), als Max Schmeling über Jack Sharkey Boxweltmeister wurde, stellt Morgan-Girl Gwenda Stewart mit über 113 Meilen (180 km/h) einen für diese Fahrzeugklasse phantastischen Weltrekord auf. Nomen est omen: Das Modell heißt "Super Sports".

Eduard VIII, König von England, dankt ab und heiratet als Herzog von Windsor eine gewisse Mrs. Simpson. Just in diesem Jahr (1936) platzt die Bombe: Morgan baut ein Auto mit vier Rädern! Seine Name: "4/4", das heißt: vier Zylinder und vier Räder. Hubraum 1122 ccm.

Was kaum jemand weiß:
Auch nach der Vorstellung des 4/4 wurden in Malvern Link weiter Dreiräder gebaut. Das Modell F Super wurde bis 1952 geliefert. Gerade bei der Benzinknappheit der Nachkriegsjahre bewährte sich der sparsame Dreirädrige sehr.

Diesem Fahrzeug trauern die Morgan-Fans noch heute nach: Das "Drophead Coupe", vorgestellt 1938. Das abgebildete Modell ist schon mit dem 2,1-Liter-Motor des Triumph ausgerüstet. Erstrmals 1950 gebaut, leistete er 68 PS bei 4300 Umdrehungen/Minute.

Der erfolgreichste Morgan aller Zeiten. Nachdem er 1961 in Le Mans beirn 24-Stunden-Rennen nicht starten durfte - die Abnahmekomissare hielten den Plus 4 Baujahr 1961 für ein Vorkriegsauto - gewann Chris Lawrence 1962 die GT-Klasse bis 2 Liter in Le Mans.

Der Morgan für die ganze Familie. Einer alten Tradition folgend - auch die Dreiräder gab es bereits mit vier Sitzplätzen - wurde ab Herbst 1968 wieder ein Viersitzer in das Programm aufgenommen. Für gute Fahrleistungen sorgt ein 1,6-Liter-Motor von Ford (83 PS).

Bis zum Erscheinen des Plus 8 der meistgefahrene Morgan. Der 83-PS-Motor aus dem Ford Cortina verhilft dem 4/4 zu Beschleunigungswerten, die man dem Oldie gar nicht zutraut (0-100 km/h in 11 sec). Vorderradaufhängung noch wie vor dem ersten Weltkrieg!

Der Über-Morgan! Die Fans schreien auf, als 1968 ein Morgan vorgestellt wurde, der in Bezug auf Leistung alles in den Schatten stellt: Ein Rover V8 mit 3,5 Litern Hubraum und 150 PS ermögichen nun wahre Beschleunigungsorgien. Sein Fahrwerk: siehe Morgan anno '36.

Bevor der aktuelle Aero 8 im Jahre 2000 vorgestellt wurde, erschien 32 Jahre vorher als Neuerscheinung der Plus 8. Mit dem Aero 8 will Morgan das 21. Jahrhundert erobern. Dieser schnellste je produzierte Morgan ist hinsichtlich Technik, Leistung und Design in der Tat ein Quantensprung.